Jean-Maurice Justenhoven I CC BY-NC

Tagpfauenauge
(Aglais io)

Größe:

Flügelspannweite der Falter zwischen 50 bis 60mm; Weibchen haben größere Flügel als Männchen.

Lebensraum:

Ausgewachsene Schmetterlinge bevorzugen vor allem offene, sonnige Standorte mit ausgedehnten Blumenwiesen in der Nähe von kühleren und feuchten Wäldern mit schattigen Plätzen. Sie gehören aber zu den Ubiquisten, da das Tagpfauenauge eine Vielzahl an verschiedenen Lebensräumen aufsucht und als ausgewachsenes Tier wenig wählerisch ist. Das Tagpfauenauge überwintert als ausgewachsener Schmetterling und sucht dazu dunkle Spalten, Höhlen und hohle Bäume auf, nutzt aber auch menschliche Behausungen wie dunkle Erdkeller, Dachböden und verlassene Bunker. Für die Eiablage und als Futterpflanze für die Raupen werden ausschließlich Wirtspflanzen aus der Familie der Brennnesselgewächse aufgesucht, vor allem die Große Brennnessel (Urtica dioica). Da diese Wirtspflanzen in vielen Vegetationsbereichen vorkommen, stellt diese hochspezialisierte Anforderung keinen Nachteil für den Fortbestand dar. Das Vorhandensein der Brennnessel ist aber im Lebensraum der adulten Tiere nicht unbedingt notwendig, da diese als Binnenwanderer sehr mobil sind und ein großes Gebiet abfliegen können, wobei vor allem weibliche Schmetterlinge sehr mobil sind. Die Männchen hingegen sind sehr territorial. Unter den territorialen Männchen kommt es in der Paarungszeit zu sogenannten Luftkämpfen, wodurch die Flügel stark beschädigt werden können.

Verbreitung:

Das Tagpfauenauge kommt in fast ganz Europa und in Asien bis nach Japan vor, nur im hohen Norden und im tropischen Südasien wurden bis jetzt noch keine Tagpfauenaugen gesichtet. In den letzten Jahren konnte aber eine zunehmende Ausbreitung der Bestände in den höheren Norden festgestellt werden, vermutlich als Folge der Klimaerwärmung.

Gefährdungsursachen:

• Tagpfauenaugen sind weder in Deutschland noch in Rheinland-Pfalz gefährdet.

• Parasitengefahr für Larven und Puppen besteht durch z.B. Sturmia bella aus der Familie der Raupenfliegen, Pteromalus puparum aus der Überfamilie der Erzwespen und durch Schlupfwespenvertreter.

• Durch die zunehmende Trockenheit kommt es immer wieder dazu, dass auch Brennnesseln im Sommer vertrocknen und somit als Wirtspflanze für die Raupen nicht mehr zur Verfügung stehen. Das kann die Generation im späteren Sommer gefährden, die eigentlich überwintert und die für die Vermehrung im Frühjahr nötig ist.

• Des Weiteren gefährden Mäharbeiten u.a. an Wiesen, Feld-/Wegrändern, Böschungen den Bestand, da sich Mitte August die zweite Generation der Raupen in der Hauptentwicklungszeit befinden und so die Nahrungsgrundlage nicht mehr zur Verfügung steht.

Besonderheiten:

• Tagpfauenaugen sind nicht giftig, können sich aber durch drei auffällige Anpassungen sehr effektiv vor Fressfeinden schützen:

- Ruht sich ein Tagpfauenauge aus und hat dabei die beiden Flügel nach oben zusammengelegt, so wirken die sichtbaren Unterseiten der Flügel wie ein braunes Blatt bzw. wie ein Stück Rinde. Eine solche Tarnung als Blatt bzw. Rinde bezeichnet man als Mimese, da diese das Entdeckungs- oder Erkennungsrisiko verringert, sodass Fressfeinde den Schmetterling nicht erkennen.

- Nähert sich ein Fressfeind (z.B. kleine Vögel), so öffnet der Schmetterling ruckartig die Flügel mit den vier großen Augenflecken auf der Oberseite der Flügel, sodass kleine Vögel irritiert zurückweichen. Studien belegen, dass die Augenflecke das Risiko gefressen zu werden, stark verringert.

- Im Dunklen kann sich das Tagpfauenaugen durch Zischgeräusche und Ultraschallklicks vor Fressfeinden schützen. Dabei reiben durch das ruckartige Flügelschlagen die überlappenden Teile der Vorder- und Hinterflügel gegeneinander und erzeugen dadurch ein Zischgeräusch, das kleine Nagetierräuber ab-schreckt. Beim Flügelschlagen bewegen sich auch kleine Membranschuppen am Vorderflügel und erzeugen dadurch Ultraschallklicks, die Angriffe durch Fledermäuse abwehren können.

• In Europa kommt das Tagpfauenauge oft mit zwei Generationen pro Jahr vor (bivoltin). Die überwinternden Tagpfauenaugen bilden die Frühjahresgeneration, die in den Monaten März bis Mai wieder aktiv werden, sich paaren und für die nächste Generation im Juli und August sorgen. Zwischen der Eiablage und dem Schlüpfen der nächsten Generation liegen gerade einmal sechs Wochen. Neue Studien in Westeuropa zeigen, dass es mittlerweile auch in besonders warmen Spätsommern eine dritte Generation gibt, die zwischen September bis Oktober entsteht. Dabei handelt es sich vermutlich um eine unmittelbare Reaktion auf die schnellen Umweltveränderungen (u.a. Klimawandel, hohes Angebot an Wirtspflanzen). Während der Fortpflanzung der nicht überwinternden Generationen können die Flügel der Männchen so stark beschädigt werden, so dass diese kaum noch intakt sind und der Schmetterling stirbt. Da die Herbstgeneration keine Paarung mehr eingeht, bleiben die Flügel nahezu unbeschädigt, sodass gesunde Exemplare den Winter überstehen können. Ferner gab es bereits erste Nachweise, dass es zu einer vierten Generation in einem Jahr kam, bei denen Raupen ab Oktober und Puppen im November und Dezember gefunden wurden.

Raupe des Tagpfauenauge

James Senn I CC BY-NC

Kokon des Tagpfauenauge

James Senn I CC BY-NC

Erarbeitet von Luca Müntz, Clara Pohan, Jan Schnell und Marc Schneider.